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Final Fantasy XIV - Eindrücke vom Release

Im Folgenden werde ich ein paar Gedanken zu Final Fantasy XIV niederlegen. Mir ist aufgefallen, dass es noch keinerlei Besprechungen oder Reviews im deutschsprachigem Raum gibt - zumindest nicht auf den einschlägigen Spieleseiten der Fachzeitschriften. Eigentlich verwunderlich.

Ich kam zu FF XIV über die Open Beta, die ich einfach mal stumpf angetestet hatte und irgendwie "hängen" geblieben war. Ich hab dann mal die Collectors Edition ausprobiert, einfach um mal etwas damit "Herumzuspielen".

Nach so kurzer Zeit kann man keinesfalls ein fundiertes Urteil über ein MMORG abgeben, daher nur ein paar ungeordnete und vergleichende Impressionen von der Release-Version, die ich aber auch erst ein wenig angespielt habe.

Final Fantasy XIV ist ein reinrassiges MMORG, dass seine Wurzeln in FF XI hat. Dies merkt man eigentlich "an jeder Ecke". Das Spiel unterscheidet sich in vielen Punkten sehr von den gewohnten "westlichen" Ansätzen und jemand, der WoW oder HdRO erfahren ist, muss sich schon in einigen Punkten deutlich umstellen (Stichwort: Gildenfreibriefe). Man muss asiatische Rollenspiele mögen um FF XIV zu mögen - sowohl in Grafik, Stimmung und auch Story.

FF XIV will eine Geschichte erzählen. Man ist von der Einstiegssequenz an in eine Haupt-Erzähllinie eingebunden, die sich - je nach Startstandort - deutlich unterscheidet (vermutlich läuft dass dann in späteren Stufen zusammen).

Der eigene Charakter ist, mitsamt Ausrüstung, in die Zwischensequenzen eingebunden - ein bißchen wie bei Guild Wars. Diese Sequenzen sind atemberaubend, episch, witzig, dramatisch und in jeder Hinsicht brilliant - ganz Final Fantasy. Mir ist mehrfach der Mund offen stehen geblieben.

Auch danach geht die Story stetig weiter, man folgt einer Art persönlicher Hauptgeschichte, immer wieder eingerahmt in Zwischensequenzen und wird immer mehr Teil dieser Welt und ihrer Entwicklung.

Überhaupt die Welt - die Immersion in die Spielwelt ist meilenweit, ja Lichtjahre (!) besser als bei Wow und Co. Ich kann diesen Punkt garnicht stark genug betonen.
Die Stadt und die Umgebung fühlt sich einfach wesentlich lebendiger an. Es erinnert mich da an HdRO - nur noch besser.

Das wird auch von der ungemein beeindruckenden Grafik und dem tollen Sound unterstrichen. Selten habe ich so liebevoll gestaltete und detailverliebte Grafik gesehen. Allerdings gerät hier mein iMac auch fix an seine Grenzen - ich bin sehr gespannt, ob die Umsetzung auf die PS 3 Abstriche bei der Optik machen muss.

Die Rassen- und Berufsauswahl ist klasse und mit viel Liebe gemacht. Das schlägt sich auch in den tollen Emotes und vielen feinen Animationen nieder. Das Monsterdesign ist großartig und selbst einfache Ausrüstung sieht "cool" aus (bis auf den Bonus-Zwiebelhelm der CE-Edition, ich glaub das ist eine Art Gag).

Das Spiel vertritt den Ansatz des "probier es einfach aus" - man kann jederzeit den Beruf wechseln, etwas Neues versuchen und auf Entdeckungsreise gehen - das Spiel versteht sich als Einladung zum spielerischen Erkunden. Manchmal ist man damit auch ein wenig überfordert und würde sich mehr Tutorials wünschen.

Natürlich hat das auch Nachteile. Der Spieler wird fast überhaupt nicht an die Hand genommen, wenig wird erklärt, Vieles ist vollkommen verwirrend. Man hat stets das Gefühl Teil von etwas Größerem und Lebendigem zu sein, allerdings auch das Gefühl manchmal selbst die einfachsten Dinge nicht zu verstehen.So ist mir das Handwerken (Gerber) noch nicht richtig gelungen, als Waldläufer, Fischer und Gärtner (Sammelberufe) komme ich aber bereits ganz gut zurecht.

Hinzukommt das das Spiel sich kaum an die üblichen Konventionen anderer MMORGs hält. Keine Questgeber im üblichen Sinne, ein ungewöhnliches Erfahrungssystem, ungewohnte Steuerung und Manches mehr machen den Einstieg unverhältnismäßig schwierig. Andererseits gibt es auch kein Raiden, kein PVP und dergleichen. Die Story und die Charakterentwicklung stehen im Zentrum.

FF XIV ist stark auf das Solospielen ausgerichtet. Gruppen dürften sicher ihren eigenen Reiz haben (es gibt besondere "Kommandoketten" ähnlich Gefährtenmanövern bei HdRO) und bekommen auch Boni, aber mir scheint, dass man als Solospieler sehr gut zurecht kommt.

Bei der grafischen Gestaltung hat man ganz klar den Ansatz verfolgt, möglichst wenige Elemente auf den Schirm zu bringen, die von der schönen Welt ablenken könnten. Die UI und die Anzeigen kann man ohne Weiteres als "spartanisch" bezeichnen.

Deutlich ist zu Spüren, dass das Spiel auf ein Gamepad ausgelegt wurde. Die Menüführung mit Maus und Tastatur ist bestenfalls gewöhnungsbedürftig und im schlimmsten Fall einfach total umständlich. Mit zwei Dualsticks auf der PS 3 sollte das erheblich flüssiger laufen. Es sollte aber erwähnt werden, dass die Steuerung gegenüber der Open Beta schon verbessert wurde.

Das Spiel ist insgesamt eher weniger hektisch. Man probiert Dinge aus, hat kleine Erfolgserlebnisse, geht weiter in der Geschichte vorwärts und erledigt nebenbei ein paar Gildenfreibriefe.

Ich habe das Gefühl, dass die Macher eindeutig Casual-Spieler im Hinterkopf hatten, als sie das Spiel konzipierten. Trotz aller Dramatik haben sie einen guten Schuß Selbstironie in das Spiel gepackt und es nimmt sich nicht ZU ernst. Auch erhält man verhltnismäßig wenig "technische" Rückmeldungen (keine Monsterlevelanzeige, nur Farbcode usw.). Insofern ist der erfolgsorientierte "Zocker" klar nicht die Zielgruppe von FF XIV.

Noch ein paar Schlußbemerkungen zum Thema Release-Start. Der lief erstaunlich rund, wenn ich das mit dem Start von WoW und dergleichen seinerzeit vergleiche. Der Server "Lindblum", auf dem ich unterwegs bin, ist zwar arg voll und sehr beliebt und es gibt immer wieder kleine, ärgerliche Lags, aber es gab keinerlei Warteschlangen oder Abstürze oder andere technische Probleme.

Fazit: FF XIV ist nicht für Jeden. Aber innerhalb seiner eigenen "Nische" ist es seinen "westlichen" Verwandten meilenweit voraus und entfaltet es ein einmaliges Potential und Flair.
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